Redeanalyse

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1. Redesituation
- Wo und wann wird die Rede gehalten?
- Sind Medien mit einbezogen?
- Welche und mit welcher Wirkung?
- Welches Publikum hat die Rede?
- Zu welchem Anlass wird die Rede gehalten?

2. Inhalt der Rede
- Welche Hauptaussagen enthält die Rede?
- Wie ist die Rede inhaltlich gegliedert?
- Welche Sachverhalte werden angesprochen?
- Für und/oder gegen wen nimmt die Rede Partei?

3. Redeabsicht
- Welche Wirkung will der Redner erzielen und woran erkennt man das?
- Werden die Interessen des Redners offen dargelegt oder verdeckt?
- Gibt es Vorwürfe, Appelle, Forderungen o.Ä.?

4. Struktur der Rede und rhetorische Mittel
- Welche Argumente verwendet der Redner?
- Welche rhetorischen Mittel werden verwendet?
- Welche aufwertenden und abwertenden Adjektive und Nomen fallen auf?
- Enthält die Rede Anklänge an bestimmte Stile?

5. Redeweise
- Wie wird die Rede vorgetragen (Lautstärke, Tempo u.Ä.?
- Bezieht der Redner das Publikum mit ein oder geht er über es hinweg?
- Wie werden Mimik und Gestik eingesetzt?

Quelle: Cornelsen Deutschbuch Arbeitsheft Klasse 10

Muster Redeanalyse

(Am Beispiel des 5. Flugblattes der Weißen Rose)

In dem politischen Flugblatt der "Weißen Rose", während des 2. Weltkriegs, wird offenkundig an das Volk appelliert. Der Anlass dieses Flugblattes, von Hans Scholl und Alexander Schmorell verfasst, soll bei der höher gebildeten Schicht des Volkes (z.B. Studenten und Professoren) den Effekt auslösen, dass man sich gegen Hitler und die Nationalsozialisten stellt und ihnen Paroli bietet.

Die Hauptpunkte und die inhaltliche Gliederung lassen sich in drei Teilabschnitte zusammenfassen. (Z.1-9)(Z.10-24)(Z.25-38)
In Abschnitt 1. wird das Volk über den aktuellen Kriegszustand aufgeklärt. Als Verantwortlicher dieses ganzen "Debakels" zieht er Adolf Hitler heran. Das Volk soll wissen, wer der Verursacher des Krieges ist.
Abschnitt 2. befasst sich weitgehend damit, dass alle Deutschen Einwohner aufhören sollen, Hitler, bei einem schon längst verlorenem Krieg zu unterstützen. Der Verfasser bezieht sich dabei auf die unehrliche Propaganda.
Abschnitt 3. weist zum einen auf Fehler hin, die das Volk begangen hat und in Zukunft vermeiden soll. Zum anderen macht dieser Abschnitt Hoffnung und nennt Privilegien, auf die jeder einzelne Anspruch hat.
Insgesamt wird deutlich, wie die Verfasser zum kollektiven Geschehen Stellung beziehen und sich eindeutig gegen Hitler und seine Anhänger aussprechen.

Die Wirkung des Textes ist durch die vielen persönlichen Ansprachen sehr direkt (Z. 15f; Z.18 ff). Es werden mehr Rechte für das Individuum gefordert (Z.35), eine Verbreitung des Flugblatts (Z.38), sowie passiver Widerstand gegen das Hitlerregime (Z.38).
Der Verfasser will verdeutlichen, dass wenn man sich weiter für Hitler einsetzt, man schon bald auf verlorenem Posten steht (Z.7.ff).
Forderungen und Appelle sind offen und unverschleiert dargestellt, sodass es auch für die breite Masse verständlich ist.

Der Text besitzt so gut wie keine Argumente und versucht seine Forderung allein durch das aufstellen von Thesen, zu verdeutlichen.
Die ersten bedeutenden Thesen finden sich in den Zeilen 6-9. Sie besagt, dass Hitler das Volk in den Abgrund stürzt und der Krieg schon lange verloren sei. Darüber hinaus machen die Verfasser Hoffnung auf das zukünftige Deutschland und veranschlagen Thesen, in welcher Art und Weise es aussehen sollte (Z.31 bis Ende). An dieser Stelle werden die Thesen aneinander gereiht, was zur Wirkung führt, dass jeder etwas zum politischen Umschwung in Deutschland beitragen muss.

Darüber hinaus ist der Text gespickt mit Rhetorischen Mitteln. Beginnend in Zeile 6, macht der Verfasser sich das Symbol der Mathematik gebräuchlich. Dieses steht für absolute Genauigkeit und Richtigkeit. Des Weiteren lassen sich Alliterationen ausfindig machen (Z.11 "Verführen ins Verderben"). Über den Text verteilt lassen sich auch zahlreiche Anaphern (Z.13f "Wollt ihr"; Z. 19ff "Glaubt nicht"), sowie Parallelismen finden (Z.31 "föderalistisch"). Eine Akkumulation ist ebenfalls vorhanden (Z.36-37). Von Bedeutung bei den Stilmitteln ist nur noch eine Metapher zu nennen (Z.18 " Mantel der Gleichgültigkeit"). Ferner werden viele abwertende Nomen gebraucht (Z.7 "Abgrund"; Z.11 "Verderben").

Betrachtet man Sprache und Syntax, so ist der Brief von Alexander Schmorell und Hans Scholl in einem komplexen Hochdeutsch verfasst. Müsste man die Gefühlskurve des Flugblatts aufzeichnen, so würde diese einer Parabel ähneln.
Über Mimik, Gestik, Redetempo und Betonung kann man keine Aussagen machen.